Reha-Maßnahme – Ergotherapie

Bereits in verschiedenen Beiträgen bin ich auf die Ergotherapie und meine Übungen eingegangen.
Hier, in diesem Beitrag, werde ich mich ausführlicher dem Thema widmen.

An dieser Stelle vorab, stellvertretend an alle Therapeutinnen: Dank für die Ruhe, Gelassenheit und Ausdauer. So manches Mal sind meine Denkpausen doch etwas länger, geduldig warten die Therapeutinnen. Zum xten mal werden Dinge erklärt, ich bzw. mein Gedächtnis / mein Körper haben so Manches wieder vergessen.

Ich erwähnte ja bereits, dass ich am Tablet verschiedene Spiele (siehe auch Spiele als Reha-Hilfsmittel) spiele. Am Laptop der Ergotherapeutin werden auch Spiele gespielt, die motorisch mehr als nur Tippen und Wischen erfordern. Anagramme lösen fördern Konzentration und Durchhaltevermögen, Frustrationstoleranz, vorrausschauendes Denken, Kombinationsvermögen, Gedächtnis und geben den Sprachzentren im Gehirn “Futter”. Das Buchstaben-Tippen auf einer richtigen Tastatur wird so nebenher geübt.

Meine Ergotherapeutin spielt mit mir Spiele und ‘beobachtet’ mich dabei. Ich soll zum Beispiel die Bewegungen mit dem betroffenen Arm richtig ausführen – eine gesunde – physiologische Armbewegung beginnt immer mit einer Vorwärtsbewegung des Oberarmes und niemals mit einer seitlichen Abwinkelung des Oberarmes (außer beim Ententanz :-) ), ansonsten gewöhnt man sich eine Ausweichbewegung an, die man sehr schlecht wieder los wird und die eine normale Benutzung des Oberarmes langfristig blockiert.
Bei manchen Feinmotorik–Übungen am Tisch kann man versuchen, den Unterarm auf den Tisch aufzulegen, so hebt man automatisch den Oberarm und die Schulter nicht an. Sie ermahnt mich, wenn ich zu oft mit der ‘guten’ Hand Dinge bewege. Sie gibt mir aber auch Tipps zur besseren Herangehensweise an die Lösung (Spieletipps).
Die ‚Beobachtungsspiele‘ sind zum Beispiel Rush Hour, Musterwürfel Nikitin, Mensch ärgere dich nicht, 4 gewinnt, Mikado, Mühle.

‚Hausaufgaben‘-Unterlagen bekomme ich auch manchmal zur Erledigung bis zur nächsten Therapiestunde, zum Beispiel Anagramme lösen, Schwungübungen …

Mit dem Spiel “Stadt Land Fluss” hat meine Ergotherapeutin eine Kombination aus “Wortfindung” und “Schreiben” eingeführt. Jetzt ist das Spielen auch mit Familienmitglieder wiederbelebt worden.
Interessenten können sich diese Vorlage (2-seitig, also auch vorgesehen für den beidseitigen Druck) downloaden. Damit nicht immer mit den gleichen Kategorien gespielt werden muss, steht uns eine Liste mit dem Titel ‚Begriffkomplex / Oberbegriffe / Kategorien / Rubriken für Stadt Land Fluss‘ zur Verfügung.

In meinem Beitrag Spiele als Reha-Hilfsmittel – Teil 2 schrieb ich:
Etwas schwieriger gestalten sich kombinierte Aufgaben, wie zum Beispiel das “sich zuspielen” eines Luftballons und gleichzeitig eine bestimmte kognitive “Aufgabe” lösen. Aber auch hier ist der Hintergrund, dass die Bewegung sich wieder automatisieren soll.
Der Fühlbeutel / Tastbeutel war eine große Enttäuschung, es waren Plastiktiermodelle in einem blickdichten Beutel zu ertasten. Horst konnte kein einziges Tier ertasten.
Das “Erfühlen” von Gegenständen ohne Sichtkontrolle in einem kleinen Säckchen ist einfach ziemlich schwer, also darf man sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, wenn es nicht so gut klappt.
Außerdem ist die Vorraussetzung für ein Erkennen beziehungsweise Ertasten, dass man sich vorher – in diesem Fall die Tiere – gründlich angeschaut hat, damit man überhaupt weiß, wonach man suchen soll.

Balanceübungen auf einem Trampolin wurden auch gemacht, damit die Reaktion und die Motorik verbessert wird. Kartoffel-, Gemüse-Schälen und -Schneiden wurde ebenfalls als ‘Hausaufgabe’ von meiner Ergotherapeutin angeraten.
Bewegungen oder kleine Übungen auf dem Trampolin sprechen unter anderem ganz spezielle Rezeptoren in unserem Körper an, nämlich solche, die auf Vibration reagieren. Ausserdem wird das Gleichgewichtsorgan ganz besonders gefordert.

Täglich mache ich die Übungen mit der Therapieknete, dem Igelball und dem Pom-Pom-Ball (Ball mit Gummifäden), wie ich es in der Reha gelernt habe.

Inzwischen wurde ich auch gezwungen motiviert, Schach zu lernen und zu spielen.

Regelmäßig kontrolliert meine Ergotherapeutin den Aufgabenzettel, auf dem ich täglich die ‚besonderen‘ Arbeiten aufschreibe. Der Aufgabenzettel enthält „Rolladen (darunter ist das Hochziehen / Herunterlassen gemeint)“, „Küchenarbeit“, „Wäschearbeit“ [meine Ergotherapeutin schreibt dazu: 1)], „Trampolin“, „Igelball“, „Knete“, „Stadt Land Fluss – mit Familie, mit der Ergotherapeutin“, „Besondere Aufgaben der Ergotherapeutin bzw. der Logopädin“. Darunter schreibe ich dann die Anzahl / Dauer auf.

1) –schnipp–
Beispiel-Tätigkeiten wie „Wäsche falten“ oder „Küchenarbeiten / Gemüse schneiden“ stellen eine Handlung mit verschiedenen, differenzierten Handlungsabfolgen und Handgriffen, unterschiedlichen grob- und feinmotorischen Anforderungen und unterschiedlicher Kraftdosierung dar (um nur einige zu nennen) die automatisch und ohne dass es einer großartigen Überlegung bedarf, ineinander greifen. Eine effektivere Möglichkeit zu Wiederlangung von Körperfunktionen – als bereits im Langzeitgedächtnis abgespeicherte (weil vor der Erkrankung ganz normal) Tätigkeiten – gibt es nicht! Möglichst viele und möglichst unterschiedliche Dinge tun ist das beste Rezept. Wäsche falten und Gemüse schneiden war nur mein bescheidener Vorschlag, der gerne durch eigene komplexe Handlungen ausgetauscht werden darf!

(Tastatur tippen oder auf dem Tablet wischen ist übrigens eine besonders eintönige Anforderung an die obere Extremität!)
–schnapp–

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